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Geschichte

Urdorf im Rückblick

Birmensdorferstrasse 1964.JPGVor über 20'000 Jahren hat eine Zunge des Reussgletschers die Talmulde geformt, in der sich heute Urdorf ausbreitet. Aufgrund der rötlichen Findlinge in unserem Boden, die aus dem Glarnerland stammen, weiss man, dass sogar ein Arm des Linthgletschers über die Waldegg bis in unser Tal reichte. Während des Rückzuges des Reussgletschers ist an dessen Stirne zwischen Urdorf und Birmensdorf viel Moränenschutt abgelagert worden. Das Schmelzwasser wurde dadurch aufgestaut, bis es in Birmensdorf einen Abfluss nach Westen fand, den Einschnitt hinter der Egg und dem Honeret auswusch und so unser Reppischtal formte.

Als Zeugen erster Besiedlung auf unserem Gemeindegebiet sind ein Steinbeil und einige Bronzeklingen erhalten. Aus dem 1. bis 3. Jh. n. Chr. stammen die Fundamente des Herren-hauses eines mittleren bis grösseren römischen Gutshofes, die 1967 im Heidenkeller aus-gegraben und vermessen wurden. Weitere Mauerreste und Fundgegenstände auf dem Gemeindegebiet gehören in die gleiche Epoche. Ein Teil der Funde wurde im Landes-museum restauriert und ist dort aufbewahrt. Die Römerstrasse von Baden nach Zürich führte vom Herweg die heutige Luberzenstrasse entlang durch unser Gemeindegebiet.

Die später einwandernden Alemannen fanden hier möglicherweise die Behausungen von Helvetiern vor, die sie erweiterten, und gaben dem Weiler den Namen Urdorf. Denkbar ist aber auch, dass Urdorf die Neusiedlung eines Alemannen namens Uro war. Eine Urkunde von 1179 über die Stiftung des Klosters Engelberg durch Konrad von Sellenbüren nennt im Verzeichnis des Gutsbesitzes folgende Ortschaften: Spretinbach, Urdorf, Paltoswilare, Salenburon, Stallenchoven, Bounstetin. Fixfertig steht Urdorf da zwischen den noch nicht fertig entwickelten Namen von Spreitenbach, Baltenschwil, Sellenbüren, Stallikon und Bonstetten.

Alte ref. Kirche.JPGAus dem gleichen Jahrhundert stammen die ersten Berichte über die Kirche St. Georg im Reppischtal und die Engelberger Kapelle St. Niklaus, die alte Kirche an der Kirchgasse. Der Chor dieser Kapelle wurde später etwas schräg angebaut, genau gegen Osten orientiert. Bei jeder Kirchturmrenovation wurden und werden in der vergoldeten Kugel auf der Turmspitze interessante Zeitdokumente eingelötet.

Im Mittelalter beherrschten verschiedene Grundbesitzer und Gerichtsherren unser Gebiet. Die Ritter von Schönenwerd, die Klöster Engelberg, St. Blasien, Wettingen, Muri, Hermetschwil und das Chorherrenstift Grossmünster. Ab 1510 übten die Obervögte von Zürich in Birmensdorf die Macht über Oberurdorf aus, während in Niederurdorf die Junker Steiner in Uitikon das Sagen hatten. Diese Verhältnisse wurden erst 1798 mit der Gründung der helvetischen Republik geändert. Eine "Offnung" von 1423 beschreibt die Pflichten und Rechte der damaligen Bauern, z.B. "Wenn der Abt von Engelberg im Mai und im Herbst in den Meierhof zu Urdorf kommt, soll der Stall mit Dinkelstroh gestreut sein, dass es den Pferden an den Bauch geht."

Wirtschaft zur Sonne heute.JPGDas heutige Geschäftshaus mit dem Restaurant zur Sonne wurde 1526 vom Zürcher Zunftmeister Steiner als Kurhaus und Badhotel erbaut. Conrad Gessner rühmt in einem in Venedig herausgegebenen Buch über die Bäder Europas den prächtigen Bau und die vorzügliche Wirkung des Urdorfer Bades. Diese wird dem Gehalt an Schwefel, Alaun und Kupfer im Badewasser zugeschrieben. Diese Mineralien haben sich jedoch nie nachweisen lassen. Vier Badprospekte aus späteren Jahren aber überbieten sich in ihrem Lob: "Viele Ausgedörrte und Lungensüchtige sind wegen Schwachheit in Sänften dahin gebracht worden, die nach Vollendung der Kur frisch und gesund zu Pferd haben heimreiten können." Eheleute haben es wegen Unfruchtbarkeit besucht und hernach die erfreuliche Wirkung gerühmt. Manche Gäste zahlten vor der Abreise aus der Kur ihre Gemächer auf das künftige Jahr, "um dann des Genusses sicher zu sein". Zwinglis Nachfolger Heinrich Bullinger badete dreimal in Urdorf. Eine von ihm und weiteren Badgesellen dem Wirt geschenkte farbige Fensterscheibe hängt heute im Landesmuseum. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Badebetrieb eingestellt.

damaliger Blick zum Gasthaus zur Sonne.jpgEin Zürcher Arzt glaubte, mit dem guten Ruf des alten Bades sei Geld zu verdienen, und eröffnete 1702 unter dem Namen "Ein neues Bethesda" an der heutigen Birmensdorferstrasse 149 noch einmal ein Bad. Der Erfolg blieb jedoch gering.

1628 baute die Stadt Zürich in Urdorf ein Pfarrhaus für die reformierte Minderheit in Dietikon. Bis dahin hatte der reformierte Pfarrer in Zürich gewohnt. Noch 1812 wurde er durch den Abt von Wettingen aus einem zürcherischen Dreiervorschlag gewählt. Die Kirche in Dietikon wurde von 1532 bis 1925 von beiden Konfessionen benutzt. 1583 bis 1701 feierten die Reformierten Weihnachten und Neujahr zehn Tage nach den Katholiken, weil sie die von Papst Gregor XIII 1582 durchgeführte Kalenderreform nicht mitgemacht hatten. Bis 1916 fand in Urdorf ausser an den Festtagen kein Sonntagsgottesdienst statt.

Turnhalle Bahnhofstrasse 1963.JPGDie erste Schule wurde um 1600 eröffnet und auch von den Kindern aus Dietikon besucht. Es handelte sich vornehmlich um eine Sing- oder Abendschule. 1673 baute Oberurdorf ein Schulhaus mit Lehrerwohnung. Es ist das Haus Friedhof-strasse 10. Vorher wurde in der Stube des jeweiligen Schul-meisters oder in der Kapelle unterrichtet. Das Bachschulhaus besteht seit 1838. Die Sitte, ein Examenbrötchen zu über-reichen, geht auf das Jahr 1822 zurück.

Die älteste Darstellung des heutigen Gemeindewappens findet sich in Stein gehauen auf dem 1778 datierten Viergemeinde-Grenzstein im Sandloch.

Zu Napoleons Zeiten hatte auch Urdorf allerhand Aufregungen, Leid und Not zu ertragen. Über die kriegerischen Ereignisse von 1799 ist in Urdorfer Quellen nur wenig überliefert. In französischen Frontberichten hingegen ist das Übersetzen der französischen Truppen über die Limmat ausführlich dokumentiert. Die Ebene von Urdorf eignete sich vorzüglich für den Aufmarsch der Truppen und die Bereitstellung des Materials der 5. Französischen Division. Der Kommandant hatte sein Hauptquartier in der "Taverne zur Sonne" aufgeschlagen. Seine Truppen erzwangen am 25. September 1799 bei der Mündung des Schäflibachs nahe Dietikon den Übergang über die Limmat und schlugen die russischen Truppen in die Flucht. Darum steht am Arc de Triomphe in Paris der Name Dietikon in der Reihe der Schlachtfelder.

Eine Folge der Franzosenherrschaft in der Schweiz war das Gesetz, welches den Bauern ermöglichte, sich durch Zahlung des zwanzigfachen Wertes der jährlichen Zehntenabgaben für immer von dieser über tausend Jahre alten Last zu befreien. Niederurdorf war 1823 so weit, nachdem der Betrag von 4535 Gulden dem Abt von Wettingen ausgehändigt werden konnte.

Der Zürcher Grosse Rat wollte 1830 Ober- und Niederurdorf zusammenschliessen. Aber die Niederurdorfer, die jahrhundertelang eine eigene Gemeinde gebildet hatten, wehrten sich und machten geltend, ihr Dorf zähle "achtzig stimmfähige Bürger und in ihrer Mitte verständige Männer genug, um die Gemeindeämter mit denselben besetzen zu können". Der Grosse Rat gab schliesslich nach.

100 Jahre Aemtlerlinie 1964.JPG1864 erhielt auch Urdorf seine Eisenbahnstation, die allerdings heute noch auf Schlieremer Gemeindegebiet steht. Ab der Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 bis zur Inbetriebnahme der Bahnlinie Thalwil - Zug1897, fuhren die Gotthard-Schnellzüge durch Urdorf.

Die Knabengesellschaft ist der älteste Verein der Gemeinde. Der Ursprung dürfte ins Mittelalter zurückgehen. Es ist bekannt, dass die Gesellschaft schon 1876 zwei kleine Kanonen für das Hochzeitsschiessen besass. 1864 gab es bereits einen Männerchor und einen gemischten Chor.

1901 bis 1914 betrieb eine Berliner Firma auf dem heutigen Schulareal Bahnhofstrasse eine Pulverfabrik, bestehend aus 16 kleineren Gebäuden.

Aus zwei Bauerndörfern wird eine Gemeinde

Grundstein kath. Kirche 1963.JPGIm Jahre 1930 beschlossen die Stimmbürger von Ober- und Niederurdorf, sich zur Gemeinde Urdorf (gegründet 1931) zusammenzuschliessen. Die bestehenden Bindungen mit Dietikon wurden dafür mit der Zeit aufgelöst.
 
Seit 1958 haben wir eine eigene Sekundarschule, seit 1959 und 1960 bestehen eine reformierte und eine katholische Kirchgemeinde in Urdorf.

Von 1950 bis 1970 verdoppelte sich die Einwohnerzahl alle 10 Jahre. Allein im Jahr 1968 stieg sie von 6'200 auf 7'212. 

Urdorf war bis 1803 dem Bezirk Horgen zugeteilt, nachher dem Bezirk Zürich. Seit dem 1. Juli 1989 gehört Urdorf zum neu gegründeten Bezirk Dietikon.
 

Stiftung Ortsmuseum

Die 1994 gegründete gemeinnützige Stiftung Ortsmuseum hat an der Birmensdorferstrasse 102 ein altes Bauernhaus erworben, in welchem dem Dorfmuseum geeignete Räume eingerichtet wurden.

Verschiedenes muss zusammenwirken, damit der Wohnort zur Heimat wird. Der Blick in die Vergangenheit, ins Werden und Wachsen der Gemeinde möge seinen Teil dazu beitragen. Heimat ist eine Gabe. Darüber hinaus aber haben wir die Aufgabe, Gegenwart und Zukunft unserer engeren und weiteren Lebenskreise zu bedenken und mitzugestalten.
 

Urdorfer Chronik

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